
Nach dem islamischen Recht sind chronisch Kranke vom Fasten im Ramadan ausgenommen. Viele Menschen mit Diabetes möchten dennoch gerne an diesem religiösen Ritual teilnehmen. Sorgt die Behandlung von Typ 2-Diabetikern mit Glibenclamid und Glimeprid für eine sichere Stoffwechseleinstellung während der Fastenzeit?
Laut des ersten Treffens des Pan-Arab Diabetes Advisory Boards, das im Oktober 2002 in Tunis stattfand, ist Diabetes mellitus weltweit eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, deren Prävalenz in arabischen Ländern vergleichbar ist mit der Erkrankungsrate in westlichen Staaten. Die Mehrheit der über 1 Milliarde Moslems fastet während des heiligen Monats Ramadan, unter ihnen auch Menschen, die eine Diabetes-Erkrankung aufweisen.
Die Ergebnisse der EPIDIAR-Studie (EPIdemiology of DIAbetes and Ramadan Study), die während der Fastenzeit in 13 moslemischen Ländern durchgeführt wurde, unterstreichen die Bedeutung der ärztlichen Beratung, um Menschen mit Diabetes optimal auf das Fasten im Ramadan vorzubereiten. Es ist im Einzelfall zu beurteilen, inwieweit durch den Nahrungsverzicht zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang ein gesundheitliches Risiko für den Diabetes-Patienten vorliegt.
Infolge der veränderten Mahlzeitenfrequenz während der Fastenzeit muss insbesondere eine Anpassung der medikamentösen Behandlung erfolgen, um den Blutzuckerspiegel auch während der langen Nahrungskarenz über den Tag konstant zu halten.
In zwei wissenschaftlichen Untersuchungen wurde die Stoffwechseleinstellung von Typ 2-Diabetikern, die mit dem Sulfonylharnstoff Glibenclamid beziehungsweise Glimepirid behandelt wurden, während der Fastenzeit überprüft. In beiden Studien erfolgte eine Einteilung der Probanden in zwei Versuchsgruppen, die das jeweilige Medikament in unterschiedlicher Dosierung erhielten und in eine Kontrollgruppe, die nicht fastete.
Die Probanden, die an der Studie unter Verwendung von Glibenclamid teilnahmen (n = 542), erhielten das Medikament zweimal täglich. Einer der beiden Versuchsgruppen wurde während der Fastenzeit die gewohnte Dosierung an Glibenclamid verabreicht, jedoch mit veränderten Einnahmezeitpunkten. So wurde die übliche morgendliche Dosis am Abend und die abendliche Dosis vor Sonnenaufgang gegeben. Die zweite Versuchsgruppe erhielt Glibenclamid nach dem selben Verfahren, aber die Medikamentengabe vor Sonnenaufgang fand in reduzierter Dosierung statt. Die Kontrollgruppe wurde wie gewohnt mit Glibenclamid behandelt.
Als Parameter für die Stoffwechseleinstellung dienten die Konzentration an Fruktosaminen, der Prozentsatz an glykolysiertem Hämoglobin und die Häufigkeit des Auftretens von Hypoglykämien. Es zeigten sich vor, während und nach der Fastenzeit keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen bezüglich der beobachteten Parameter.
Typ 2-Diabetiker, die lediglich eine Medikamentengabe pro Tag benötigen, wurden in dieser Studie nicht berücksichtigt. Aus den vorliegenden Ergebnissen kann jedoch gefolgert werden, dass auch hier eine sichere Stoffwechseleinstellung erzielt werden kann, wenn die übliche morgendliche Dosierung in gewohnter Höhe nach Sonnenuntergang genommen wird.
Für die Studie mit Glimepirid wurden Typ 2-Diabetiker ausgewählt, die auf eine Medikamentengabe pro Tag eingestellt waren (n = 345). Eine der beiden Versuchsgruppen erhielt im Ramadan die übliche morgendliche Menge an Glimepirid nach Sonnenuntergang, während der anderen Versuchsgruppe das Medikament am Abend in reduzierter Dosierung verabreicht wurde. Die Behandlung der Kontrollgruppe erfolgte wie gewohnt. Es wurde ebenfalls die Konzentration an Fruktosaminen, der Prozentsatz an glykolysiertem Hämoglobin sowie die Häufigkeit des Auftretens von Hypoglykämien ermittelt. Zwischen den einzelnen Gruppen waren wiederum keine signifikanten Unterschiede für die untersuchten Parameter festzustellen.
Sowohl Glibenclamid als auch Glimepirid haben sich als sichere Behandlungsmethode während der Fastenzeit für Typ 2-Diabetiker, die Sulphonylharnstoffe für ihre Stoffwechselkontrolle benötigen, erwiesen. Glimepirid hat jedoch wegen der Einmalgabe und des geringeren Hypoglämie-Risikos besonders in einer Fastensituation weitere Vorteile. Eine Reduzierung der Medikamentendosierung ist aufgrund der beobachteten Ergebnisse als nicht notwendig anzusehen. Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass sich die Häufigkeit des Auftretens von Hypoglykämien während des Fastens nicht erhöht hat und somit von einer stabilen Stoffwechseleinstellung auszugehen ist. Glibenclamid und Glimepirid sind somit geeignet, Typ 2-Diabetikern eine Teilnahme an der Fastenzeit im Ramadan zu ermöglichen.
Quellen:
- Belkhadir, J., Ghomari, H. El, Klöcker, N., Mikou, A., Nasciri, M., Sabri, M.:
Muslims with non-insulin dependent diabetes fasting during Ramadan: treatment with glibenclamide;
BMJ 307 (1993) 292-295. - Glimepiride 00464 Khalifa FB:
Glimepiride is effective and well tolerated in patients with Type 2 diabetes during Ramadhan fasting.
[Abstract] Abstracts. 2002: Abs: 1987-PO. 62nd Sci Sess Am Diabetes Assoc (ADA), San Francisco (Jun 2002)







