Hat das Tier einen insulinpflichtigen Diabetes, muss ihm von seinem Besitzer Insulin gespritzt werden.
Wie "Frauchen" oder "Herrchen" spritzen
Wie beim Menschen wird auch beim Tier das Insulin unter die Haut (subcutan) injiziert. Beim Tier ist das allerdings recht einfach, da die Haut dem Körper sehr locker anhaftet. Bevorzugte Injektionsstelle ist die Flanke des Tieres, das heißt hinter dem Rippenbogen. Auch die Injektion im Nackenbereich ist möglich – sie sollte jedoch vermieden werden, da diese Methode im Falle einer Entzündung erhebliche Risiken birgt. Folglich sollte diese Stelle nur dann gewählt werden, wenn sich das Tier besonders sträubt oder man allein ist und das Tier während der Injektion selbst festhalten muss.
Die Technik: Mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger wird eine Hautfalte abgehoben und ein „Zelt“ gebildet. Der Einstich erfolgt in etwa parallel zum Körper des Tieres. Um ein Gefühl für die „Hautfaltenbildung“ und die Injektionstechnik zu entwickeln, empfiehlt es sich, dies erst einmal an einem Handtuch und einer Orange zu üben.

Abb. 1: Injektion in der Flanke - richtig

Abb. 2: Injektion in den Nacken - nicht empfehlenswert
Die "Einstellung" des Patienten auf Insulin
Die Insulineinstellung - also das Ermitteln der genauen Menge des benötigten Insulins – erfolgt in der Regel ambulant. Obwohl die zu verabreichende Insulinmenge in Abhängigkeit vom Körpergewicht berechnet werden kann, liegt es in der Natur der Krankheit, dass die Insulinmenge für jedes einzelne Tier individuell ermittelt werden muss.
In der Tiermedizin wird in der Regel ein Insulin eingesetzt, das nur einmal täglich gegeben werden muss. Dennoch gibt es Hunde, bei denen zwei Mal täglich eine Behandlung erforderlich ist. Drei bis vier Tage nach Anfang der Therapie sollte ein Blutzuckertagesprofil erstellt werden. Hierfür entnimmt der Tierarzt dem Tier mehrmals am Tag Blut und erstellt aus den Messwerten eine Kurve, aus der er ablesen kann, wie das Insulin „anschlägt“, wann der Zuckerspiegel am niedrigsten ist und wie lange das Insulin wirkt. Der Blutzuckerwert wird für jede Tierart in einem bestimmten Bereich angegeben. Besonders groß sind die Unterschiede bei Tieren mit einhöhligem Magen (Hunde, Katzen, Schweine, Pferde) und erwachsenen Wiederkäuern (Rind, Schaf, Ziege). Er sollte bei Hund und Katze etwa zwischen 100 und 125 mg/dl, beim Pferd zwischen 50 und 90 mg/dl und beim Wiederkäuer zwischen 40 und 60 mg/dl liegen. Daneben ist es sinnvoll, dass der Tierbesitzer drei Mal täglich den Zucker im Urin bestimmt. Die besten Zeitpunkte sind morgens vor der Injektion und der anschließenden Fütterung, nachmittags vor der zweiten Mahlzeit und am späten Abend.
Regelmäßige Kontrollen und alle drei Monate zum Tierarzt
Sobald die richtige Insulinmenge und Injektionshäufigkeit ermittelt sind, werden die Krankheitssymptome nachlassen: Die Hunde trinken und fressen weniger, das Allgemeinbefinden bessert sich und das Fell glänzt wieder! Dennoch ist es wichtig, durch weitere Blutzuckerkontrollen eventuelle Schwankungen zu überwachen. Alle drei Monate sollte der Tierarzt besucht werden.
Frisst Ihr Tier mal weniger, muss die Insulindosis natürlich entsprechend verringert werden.
Am Wichtigsten ist jedoch das Wohlbefinden des Tieres und das Verschwinden der Symptome. Regelmäßige Kontrollen - auch bei gut eingestellten Tieren - im Abstand von drei bis sechs Monaten mit der Fruktosaminbestimmung beziehungsweise Erstellen eines Blutzuckertagesprofils sind empfehlenswert.
Grundsätzliches zum Insulin
Das Insulin sollten Sie grundsätzlich kühl aufbewahren und achten Sie darauf, dass es nicht in Kinderhände gelangen kann! Vor der Anwendung muss das Medikament durchmischt werden. Das geschieht, indem man die Flasche entweder zwischen den Handflächen hin und her rollt oder schwenkt, nicht jedoch kräftig schüttelt. Angebrochene Insulinflaschen sind in der Regel nur drei Wochen haltbar. Lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Haustierarzt!
Autor: Dr. med. vet. Henrik Hofmann, Butzbach







