diabetes-world.net
Dipl.-Biol. Kati Westenberger
   16.12.2009
"Kein Kind darf sterben…!" - Hilfe für Diabetiker in Not

Diese Zahlen sagen alles: 70 Prozent des weltweit hergestellten Insulins werden von nur 16 Prozent der Weltbevölkerung verbraucht. Die restlichen 84 Prozent hingegen sind dramatisch unterversorgt, denn in Ländern der Dritten Welt ist das Insulin entweder überhaupt nicht verfügbar oder schlichtweg unerschwinglich. Das Projekt "Insulin zum Leben" will das zur Verfügung stehende Insulin auf der ganzen Welt gerechter verteilen. Konkret sieht das so aus, dass Patienten aus Industriestaaten beispielsweise ihre nicht mehr benötigten, noch haltbaren Ampullen zur Verfügung stellen, weil sie etwa auf eine neue Therapie umgestellt werden. Mit Hilfe von Spendengeldern wird der Transport der Hilfsgüter organisiert, in Länder wie Bolivien, Ruanda oder den Kongo.

"Kein Kind darf sterben, weil kein Insulin verfügbar ist!"

"Niemand und schon gar kein Kind darf sterben, weil kein Insulin zur Verfügung steht. Es gibt genug davon", beschreibt die Projektbeauftragte Heidrun Schmidt-Schmiedebach, selbst Diabetikerin, die Herausforderung: "Wir müssen dazu beitragen, dass es gerechter verteilt wird!"
Das Herz des globalen Hilfsprojektes schlägt in Melbourne, wo "Insulin for Life" 1986 ins Leben gerufen wurde. 1994 übernahm der erste Präsident der Deutschen Diabetes Union, Heinz Jäger, die Idee und gründete den deutschen Partner des Netzwerks: "Insulin zum Leben" sammelte zunächst ausschließlich Geld für die teuren Frachtkosten. Eine bekannte Spendenaktion ist der "Magische Euro": Wenn jeder einen kleinen Betrag spendet, kommt schnell eine magische Summe zusammen, die helfen kann, die Not vieler Menschen zu lindern. Dieser einfachen lebensrettenden Formel sind bislang z.B. viele Besucher von Diabetikertagen gefolgt.

Insulin-Überschuss: von Rastatt aus in ferne Länder

Zu den heute weltweit sieben Zentren, die Insulin sammeln und versenden, gehört seit 2003 auch Deutschland. Seit der Auflösung der Deutschen Diabetes Union zum 1.1.2009 wird das erfolgreiche Projekt von der eigens gegründeten Interessengemeinschaft Deutscher Diabetiker Bund e.V. und Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V. weitergeführt. Im baden-württembergischen Rastatt ist Heidrun Schmidt-Schmiedebach gemeinsam mit ihren Helfern auch weiterhin unermüdlich im Einsatz, um die Hilfslieferungen zu koordinieren.
Alle sieben Zentren haben im letzten Jahr ca. 135.000 Milliliter U100-Insulin verschickt, genug, um 1000 Menschen mit Diabetes ein Jahr lang zu versorgen.

Kommt die Hilfe auch an?

Insulin und Hilfsmittel werden ausschließlich an anerkannte Diabetes-Organisationen und Ärzte geschickt, hingegen nie an deren Regierungen. Die Kontakte werden sorgfältig geprüft, damit die Spenden die Bedürftigsten erreichen und nicht auf dem Schwarzmarkt landen.
Im vergangenen Jahr erreichten die Hilfsgüter regelmäßig Zentren in
- Bolivien, Ecuador, Indien, Kambodscha, Kongo, Ruanda, Vietnam, Usbekistan, Tansania und Zimbabwe
- sowie gelegentlich Organisationen in Äthiopien, Burundi, Eritrea, Elfenbeinküste, Kenia, Malediven, Seychellen, Somalia, Togo und Uganda.

"Insulin zum Leben" / "Insulin For Life" hilft darüber hinaus unkonventionell und schnell bei Katastrophen, wie z.B. nach dem Tsunami in Südostasien.

Wie können Sie helfen?

Die Möglichkeit, dank "Insulin zum Leben" wertvolles Insulin nicht mehr wegwerfen zu müssen, wird sowohl von Diabetikern und ihren Angehörigen, als auch von Diabetesberaterinnen, Ärzten und Mitarbeitern von Sozialstationen und Altenheimen sehr geschätzt.
Insulinspenden (ungekühlt) sowie Diabetesutensilien können bitte freigemacht an das Insulinlager geschickt werden:
"Insulin zum Leben", c/o Biokanol Pharma GmbH, Kehler Straße 7, 76437 Rastatt.
Bitte schicken Sie nur Dinge, die noch mindestens drei Monate haltbar sind. Besonders benötigt werden Insulin und Teststreifen. Weiterhin willkommen ist Verbrauchsmaterial wie Pen-Nadeln, Lanzetten und Einmal-Spritzen (nur U 100) und neuwertige Pens.

 

Ansprechpartnerin für Fragen ist Heidrun Schmidt-Schmiedebach, Telefon 0 72 22 / 20 09 72, Fax 0 72 22 / 1 76 29, E-Mail: heidi.schmidt-schmiedebach@gmx.de

Geldspenden für die Luftfrachtkosten sind willkommen auf dem Spendenkonto: „Insulin zum Leben", Bankverbindung: Volksbank Hameln, BLZ 254 621 60, Konto-Nr. 670 320 801.
Die Interessengemeinschaft Deutscher Diabetiker Bund e.V. und Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V. ist berechtigt, Spendenbescheinigungen auszustellen.

 

Mehr Informationen erhalten sie auf www.insulin-zum-leben.de sowie www.insulinforlife.org.

 

Quellen:

  • Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2010, S.156-161
  • www.insulin-zum-leben.de